Tief im Westen

Leben im Selfkant – zwischen Traum und Realität

Schauspiel von und mit Hajo Mans

Regie: Rena Zieger

 

„Ein Mann muss einmal im Leben ein Haus bauen, einen Sohn zeugen, einen Baum pflanzen – und vor allem – Schützenkönig werden.“ Ein ungeschriebenes Gesetz – mehr als nur eine Lebensphilosophie in dieser speziellen Region Deutschlands – dem Selfkant, der westlichsten Gemeinde der Republik, in der noch klare Regeln herrschen und die Nachbarschaft überall dabei ist und immer alles weiß.

Johannes, ein Mann Anfang 50, kehrt nach 30 Jahren dorthin zurück, weil er das Haus seiner Mutter geerbt hat.

Die als Jugendlicher empfundene Enge und Spießigkeit, die ihn damals dazu gebracht hatten, seine Heimat fluchtartig zu verlassen, empfindet er heute im Rückblick als gar nicht mehr so bedrückend. Der verklärte Blick auf seine Kindheit und Jugend lässt ihn ernsthaft darüber nachdenken, wieder hierhin zurückzukehren.

Während er das Wiedersehens-Essen für seine Jugendliebe Conny vorbereitet, erzählt er dem Publikum Anekdoten aus seinem früheren Leben im Selfkant. Manche sind sehr witzig, andere haben aber auch einen bitteren Beigeschmack. Insgesamt aber zeichnet Johannes ein positives Bild seiner alten Heimat.

Insbesondere die Gedanken an seine Jugendliebe Conny beschäftigen ihn bei seinen Erinnerungen – und seinen Zukunftsplänen. Mit ihr zusammen hatte er damals abhauen wollen, aber kurz bevor es ernst wurde, hatte Conny doch der Mut verlassen.

Seine eigene Lebensgeschichte zeigt aber auch viele Brüche, und so richtig glücklich ist er in der Ferne schon lange nicht mehr. Er träumt … von einem Neuanfang … mit Conny … Warum denn nicht?!

Vielleicht ist heute der erste Tag seines neuen Lebens: RESET – alles auf Anfang – was spricht dagegen? Vielleicht hat das Schicksal genau DAS mit ihm vor, und es wäre alles ganz einfach und perfekt.

Noch bevor das Essen fertig ist durchlebt er ein Wechselbad der Gefühle, schwankt mehrmals zwischen Gehen und Bleiben und muss am Ende ganz plötzlich entscheiden, wie sein Leben weitergehen soll.

Unter der einfühlsamen und abwechslungsreich, spannenden Regie von Rena Zieger entwickelt sich eine ebenso witzige wie tiefgründige Geschichte mit messerscharfem Blick auf die besonderen Eigenheiten der dörflichen Gemeinschaft – im Selfkant und Überall – fesselnd und berührend zugleich.

Hajo Mans, der Autor des Bühnenstücks, nimmt den Zuschauer mit auf rund 90 Minuten beste Theaterunterhaltung.

Hajo Mans und Rena Zieger sind Mitglieder der bei AKuT e. V. organisierten Theaterformation KlartAIXt.