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T99 - Hausproduktion: Der Kurier des Zaren

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AZ:

"Theater 99 verblüfft und verzückt mit Jules Vernes "Der Kurier des Zaren".

"Sehr komödiantisch und sehr überraschend wirkt das, was die Schauspieler und Theatermacher aus Vernes Geschichte (…) heraus holen."

"Diese Art zu unterhalten wirkt so ungekünstelt und virtuos, dass sich die Entertainer vom Fernsehen davon zwei, drei Scheiben abschneiden können."

AN:

"Tolldreister Husarenstreich ... verulkt gekonnt die Eitelkeit mancher Mimen und nimmt auch die Terrorismus-Hysterie gekonnt auf die Schippe"

"Kraftvoll aufspielende Akteure"

"Stürmischer Applaus für das Team der Aachener Kultur- und Theaterinitiative (AKuT) im 20. Jubiläumsjahr, insbesondere für Jutta Kröhnert (auch Buch und Regie)."

Hier noch Kurzrezensionen zu einigen Verfilmungen des Stoffs:

Die in Deutschland bekannteste ist vermutlich „Michael Strogoff“mit Raimund Harmstorf, das Weihnachts-Event von 1976, das viele noch in guter Erinnerung haben. Ein wenig zu Unrecht, wie ich nach einer kürzlichen Sichtung des ZDF-Vierteilers fand, denn die Verfilmung steckt voller ungewollter Komik, angefangen bei Harmstorfs doch recht beschränkten schauspielerischen Möglichkeiten (herrlich, wenn er - fast pantomimisch - darstellt, dass er seine Mission lieber nicht durch Ansprechen seiner Mutter in Gefahr bringen sollte. Er wirkte im „Seewolf" und in späteren Produktionen deutlich besser). Darüber hinaus haben einige Dialoge den 70er-Jahre „Die 2“ oder „Al Mundy“-Touch, insbesondere beim Tartarenfürsten Feofar Khan („Was qualmt’n hier!?“) - zum Brüllen auch, wenn Nadja eine aufgeblasene Schweinshaut, die einer Kutsche als Schwimmer dienen soll, AUF die Ladefläche ebenjener wirft - der naturwissenschaftlich begeisterte Jules Verne rotiert vermutlich im Grabe. Außerdem kann Strogoff den strunzdummen Tartaren mehr als einmal auf simpelste Weise entkommen, was irgendwann nervt.
Dennoch gibt es Stärken: Insgesamt ist das Ganze recht kurzweilig und ohne große Durchhänger inszeniert, die Landschaft wirkt sehr authentisch und die Blendungsszene lässt einen schon mächtig erschauern.

Dann ist da noch „Der Kurier des Zaren“ mit Curd Jürgens von 1956. Spannend, aber belanglos, ziemlich weit weg vom Original, ganz zugeschnitten auf den „normannischen Kleiderschrank“ (der wie fast immer in seinen Spielfilmen viel zu alt für die Rolle wirkt) und zumindest in den Tatsachen zuschauerverdummend: Etwas breitere jugoslawische Bäche stellen hier die russischen/sibirischen Ströme dar, maurische(?) Zelte soll man für Jurten halten und ein Kurier wird mal so eben zum Kommandeur der sibirischen Streitkräfte ernannt. Naja.

Kürzlich noch mal im TV: „Der Kurier des Zaren“ (Zweiteiler, 1999) mit Hardy Krüger jun. als böser Ogareff und Esther Schweins (mit blödem Kinntattoo) als seine Vertraute, die Zigeunerin. Die Handlung wirkt fast wie eine Fortsetzung der Originalgeschichte, aber nur fast: Strogoff und Ogareff sind vor Einsetzen der Handlung Todfeinde, da ersterer den letzteren im Krieg sitzen gelassen hat (was man allerdings erst am Schluss erfährt und auch nicht genauer aufgelöst wird), nach wenigen Filmminuten bringt Ogareff dann Strogoffs Frau und (ungeborenes) Kind um, und droht, den ca. neunjährigen Zaren-Thronfolger zu entführen. Strogoff soll das Blag in die Obhut irgendwelcher Klosterbrüder bringen, wo der Knabe auch schon mal ausbüchst, dann aber von Strogoff wieder zurück gebracht wird, und... ach, ist doch sinnlos... Das Drehbuch ist eine Beleidigung gesunden Menschenverstands, der „gefahrvolle Reise“-Charakter des Originals geht flöten, da bis zum Schluss zwischen den selben Orten hin und her gesprungen wird, und warum alle möglichen Rollennamen komplett geändert wurden, bleibt ein Rätsel.
Die Musikuntermalung wirkt immer deplaziert und der „lustige“ Zeitungsschreiber/Hoffotograf geht einem schon nach kurzer Zeit nur noch auf die Nerven.

Michael Kröhnert

Kleines Schmankerl: 1936 gab's eine Verfilmung mit Adolf Wohlbrück, von der offenbar keine deutsche Filmkopie mehr erhalten ist. Jedoch liefern wir hier ein pdf des damaligen Filmprogramms (Bild anklicken, 1,5 MB). Achtung! Wie damals üblich, verrät das Programm haarklein die gesamte Filmhandlung:

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